Hilmar Klute: »Die schweigsamen Affen der Dinge«

Lesung und Gespräch mit dem Schriftsteller Hilmar Klute.

Foto: Jan Konitzki

Henning hat es geschafft – als Arbeiterkind im grauen Ruhrgebiet der 70er Jahre aufgewachsen, hat er sich früh für Literatur begeistert, erfolgreich studiert, ist nach Berlin gezogen und hat sich als Journalist und Literaturkenner in den Kreisen der Bohème und der Gebildeten einen Namen gemacht. Seine Herkunft bleibt ein Makel, den es zu überdecken gilt. Als sein Vater Walter an den Folgen einer Krebserkrankung stirbt, spürt Henning keine Trauer: Das Verhältnis der beiden war distanziert, der eigene Vater war für ihn ein Fremder ohne jegliche Ambitionen, die einengenden Grenzen der Arbeiterschicht und des Ruhrgebiets aufzubrechen. Auf der Beerdigung in Recklinghausen sieht Henning Jochen wieder, einen alten Jugendfreund des Vaters. Dieser erzählt ihm von der ersten weiten Reise der beiden: als Neunzehnjährige mit dem Moped durch Korsika. Walter schien damals ein anderer Mensch gewesen zu sein: lebenshungrig, voller Pläne und Träume. Statt seinen Aufsatz über Oskar Loerke zu Ende zu schreiben, beschließt Henning, diese Reise mit Jochen zu wiederholen, und muss feststellen, dass seine Vorstellung vom anspruchslosen, stumpfen Vater nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Hilmar Klute ist Streiflicht-Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er hat einige Bücher veröffentlicht, darunter den zeitkritischen Essay »Wir Ausgebrannten« (2012). 2015 erschien bei Galiani seine „ebenso kluge wie gründliche und liebevolle“ (FAZ) Ringelnatz-Biografie »War einmal ein Bumerang«. Sein literarischer Debütroman »Was dann nachher so schön fliegt« erschien 2018 und wurde von der Presse hochgelobt; 2020 folgte der Roman »Oberkampf«. Hilmar Klute lebt in Berlin.

Begrüßung: Pastorin Diemut Meyer, Kulturkirche St. Stephani Bremen
Moderation: Esther Willbrandt, Radio Bremen ZWEI

Eine Veranstaltung der Kulturkirche St. Stephani Bremen in Kooperation mit der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung.


Dienstag, 24. Januar, 19-21 Uhr

Kulturkirche St. Stephani // Stephanikirchhof 8
Eintritt: 6 EUR // 4 EUR erm.

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