Der Bremer Literaturpreis 2019 geht an Arno Geiger / Förderpreis für Heinz Helle

Bremen, 17. November 2018

Arno Geiger erhält den mit 25.000 Euro dotierten Bremer Literaturpreis 2019 für seinen im Hanser Literaturverlag erschienenen Roman „Unter der Drachenwand“.

Arno Geiger, Foto: © Heribert Corn

Die Jury begründet die Vergabe:
„Arno Geiger erhält den Bremer Literaturpreis 2019 für seinen Roman ‚Unter der Drachenwand’,der aus der Reihe der zeitgeschichtlichen Panoramen zur NS-Epoche herausragt: als überaus genaue, differenzierte und anschauliche Vergegenwärtigung des Kriegsjahres 1944. Tief in der Provinz kommt ein an Leib und Seele versehrter junger Soldat aus Wien zum Bewusstsein seiner Verstrickung in die kollektive Schuld und erlebt, umgeben von einem Chor von Stimmen, der sich aus dem Fundus einer immensen Recherche erhebt,  eine Liebesgeschichte als Zuflucht vor der Zwingherrschaft des militärischen Systems, des alles beherrschenden Drachens.“

Arno Geiger wurde 1968 in Bregenz, Vorarlberg, Österreich, geboren. Er lebt seit 1993 als freier Schriftsteller in Wien. 1997 erschien sein Debütroman „Kleine Schule des Karussellfahrens“. Als Leitmotiv seines Kunst- und Lebensverständnisses formuliert Arno Geiger: „Kunst bewahrt den Menschen nicht vor dem Chaos, sondern vor der Ordnung. Kunst bewahrt das Individuum vor dem eindimensionalen Blick. Einzigartig ist der Mensch nicht auf einfache, sondern auf komplizierte Art.“

Den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2019 erhält Heinz Helle für seinen im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman „Die Überwindung der Schwerkraft“. Der Förderpreis wird seit 2005 von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen finanziert.

Heinz Helle, Foto: © Juergen Bauer

Die Jury begründet die Vergabe:
„Der Förderpreis geht an Heinz Helle  für seinen Roman ‚Die Überwindung der Schwerkraft’.  In einer ebenso suggestiven wie präzisen Prosa erzählt Helle die Geschichte zweier ungleicher Brüder. Den Sog des Untergangs, in dem einer der beiden verschwindet, verwandelt Helles ausgreifende Sprachbewegung in ein zärtliches Erinnerungsbild.

Heinz Helle wurde 1978 in München geboren, studierte Philosophie in München und New York und ist Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts. Er lebt heute in Zürich. Sein Romandebüt „Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin“ wurde von der Kritik durchwegs positiv aufgenommen.

Foto der Jury zum Bremer Literaturpreis 2019

Die Jury zum Bremer Literaturpreis 2019: stehend: Dr. Wiebke Porombka, Dr. Lothar Müller, Barbara Lison und Dr. Stefan Zweifel; sitzend: Richard Kämmerlings, Dr. Daniela Strigl und Michael Sieber (v. l. n. r.).
Foto © Christopher Klerings

Die Jury zum Bremer Literaturpreis 2019 tagte mit den Mitgliedern:
Barbara Lison, Dr. Wiebke Porombka, Dr. Daniela Strigl, Richard Kämmerlings, Dr. Lothar Müller, Michael Sieber und Dr. Stefan Zweifel.

Preisverleihung:
Die Preise werden am 28. Januar 2019 im Bremer Rathaus verliehen. Am Vorabend der Preisverleihung findet eine moderierte Lesung der beiden Preisträger statt.

Im Umfeld der Preisverleihung findet die 43. Literarische Woche Bremen statt – in diesem Jahr mit dem Thema „Die digitale (R)evolution. Traum oder Albtraum?“.

 

Feierliche Verleihung des 64. Bremer Literaturpreises im Bremer Rathaus

Bremen, 29. Januar 2018

Der Bremer Literaturpreis 2018 wurde am heutigen Montag (29. Januar 2018) im Rahmen eines Festaktes in der Oberen Rathaushalle an Thomas Lehr verliehen. Der Autor erhält die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen 2017 im Hanser Verlag erschienenen Roman »Schlafende Sonne«. Jurymitglied Stefan Zweifel sagte in seiner Laudatio, dass Lehrs Roman „uns verführt, um nach dieser Reise durch ein Jahrhundert eine Wette einzugehen: Die Wette, dass dieser Roman eines Jahrhunderts dereinst, zur Trilogie geweitet, nichts weniger sein wird als: ein Jahrhundertroman.“

Vor der Preisverleihung: Bürgermeister Dr. Carsten Sieling (Senator für Kultur), Laura Freudenthaler (Förderpreisträgerin des Bremer Literaturpreises 2018), Thomas Lehr (Preisträger des Bremer Literaturpreises 2018), Michael Sieber (Vorsitzender der Rudolf-Alexander-Schröder Stiftung). Foto: © Victor Ströver, nordsign, Bremen

Den von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen – finanzierten Förderpreis in Höhe von 6.000 Euro erhielt Laura Freudenthaler für ihren im Literaturverlag Droschl erschienenen Roman »Die Königin schweigt«. Wiebke Porombka, Jurymitglied des Bremer Literaturpreises bedankte in ihrer Laudatio bei der Förderpreisträgerin „für ihren emphatischen, aber unbeirrbaren Blick auf Menschen, für Ihr Vermögen, Figuren nicht nur auf den Grund zu gehen, sondern bis zu ihren Abgründigkeiten vorzudringen und ihnen dabei doch ihre Würde zu belassen.“

Der Senator für Kultur, Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, betonte in seiner Rede, dass Literatur den Blick öffne und Zweifel an den eigenen Überzeugungen hervorrufe. Sie fördere Auseinandersetzungen und diene eben nicht wie viele Beiträge in den sozialen Medien nur dazu,  das eigene Weltbild zu bestätigen.

Die Preise überreichte der  Vorsitzende der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung, Staatssekretär a.D. Michael Sieber. Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Natalia Mateo (Gesang) & Dany Ahmad (Gitarre). Der musikalische Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung von jazzahead! ermöglicht.