Feierliche Verleihung des 66. Bremer Literaturpreises im Bremer Rathaus – Barbara Honigmann und Tonio Schachinger ausgezeichnet

Bremen, 20. Januar 2020

Der Bremer Literaturpreis 2020 wurde am heutigen Montag im Rahmen eines Festaktes in der Oberen Rathaushalle an Barbara Honigmann verliehen. Die Autorin erhält die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren 2019 im Hanser Verlag erschienenen Roman »Georg«. Jurymitglied Dr. Lothar Müller hob in seiner Laudatio an Honigmanns Roman besonders als positiv hervor, dass es kein Fazit, kein abschließendes Urteil der Tochter über das Leben ihres Vaters gibt. Stattdessen, so Müller, gibt es eine „Leerstelle“ der nicht geschriebenen Lebenserinnerungen ihres Vaters: „Es gilt manchen Lesern als Ärgernis, wenn eine Figur nicht auserzählt ist. Barbara Honigmann aber ist für die große Kunst zu loben, mit der sie in „Georg“ von ihrem Vater erzählt, ohne ihn auszuerzählen.“

Vor der Preisverleihung im Bremer Rathaus: Tonio Schachinger (Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises 2020), Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (Senator für Kultur), Barbara Honigmann (Preisträgerin des Bremer Literaturpreises 2020), Michael Sieber (Vorsitzender der Rudolf-Alexander-Schröder Stiftung), Barbara Lison (Geschäftsführerin der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung). Foto: © Victor Ströver, nordsign, Bremen

Den von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen – finanzierten Förderpreis in Höhe von 6.000 Euro erhielt Tonio Schachinger für seinen im Kremayr & Scheriau erschienenen Roman »Nicht wie ihr«.

Dr. Daniela Strigl, Jurymitglied des Bremer Literaturpreises, stellte gleich zu Beginn ihrer Laudatio für den Förderpreisträger fest: „Tonio Schachinger zu loben ist sehr schwer und sehr leicht. Sehr leicht, weil man aus seinem Debüt nur recht ausgiebig zitieren muss, damit es klug wird und lustig. Sehr schwer aus demselben Grund. Es ist dem Buch nichts hinzuzufügen. Die Latte liegt hoch und sie ist bereits erreicht.“

Bremens Bürgermeister, Kultursenator Dr. Andreas Bovenschulte, gratulierte Barbara Honigmann und Tonio Schachinger zu ihren Auszeichnungen. In seiner Rede würdigte er die Fantasie und Fabulierlust, die Neugier und das Erkenntnisinteresse als Antrieb großer Literatur. „Es ist die Empathie der Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die uns anspricht, uns mitfühlen lässt, eine zutiefst menschliche Qualität, die die Verbindung zwischen Autor, Text und dem Leser und der Leserin herstellt. Im Buch spricht der Mensch zum Menschen, erst dieser Dialog macht das Werk lebendig“, sagte der Kultursenator, der sich bei der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und der Stadtbibliothek Bremen für die Vergabe des Literaturpreises und die Ausrichtung der Literarischen Woche bedankte.

Die Preise überreichte der Vorsitzende der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung, Staatssekretär a.D. Michael Sieber. Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Miles Perkin (Gesang & Bass). Der musikalische Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung der jazzahead! ermöglicht – jazzahead.de/de/

Barbara Honigmann wurde 1949 in Ost-Berlin geboren und lebt seit 1984 in Straßburg. Von 1967 bis 1972 studierte sie an der Humboldt-Universität Theaterwissenschaft. Honigmann arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin. 1986 erschien ihr Debüt „Roman von einem Kinde“. Barbara Honigmann gilt als Dichterin des Autobiografischen und bekennt sich dazu:„Schreiben heißt ja wiederfinden. Die verlorene Zeit zum Beispiel oder sich selbst“.

Tonio Schachinger wurde 1992 in New Delhi geboren. Er wuchs in Nicaragua und Wien auf. Schachinger studierte Germanistik und Sprachkunst in Wien. „Nicht wie ihr“ ist sein Romandebüt.

 

 

Der Bremer Literaturpreis 2020 geht an Barbara Honigmann / Förderpreis für Tonio Schachinger

Bremen, 16. November 2019

Barbara Honigmann erhält den mit 25.000 Euro dotierten Bremer Literaturpreis 2020 für ihren im Hanser Verlag erschienenen Roman „Georg“.

Barbara Honigmann © Peter-Andreas Hassiepen

Barbara Honigmann © Peter-Andreas Hassiepen

Die Jury begründet die Vergabe:
„Das in poetischer Prosa gezeichnete Porträt eines Bonvivant, Kommunisten und deutschen Juden vergegenwärtigt die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, indem es in die Abgründe dieser Figur blickt. Es verbindet die Genauigkeit des Nahblicks auf die charakteristischen Details der Person mit hellwacher Aufmerksamkeit auf die bedrängenden Zeitumstände und deren Biografie.“

Barbara Honigmann wurde 1949 in Ost-Berlin geboren und lebt seit 1984 in Straßburg. Von 1967 bis 1972 studierte sie an der Humboldt-Universität Theaterwissenschaft. Honigmann arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin.  Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin. 1986 erschien ihr Debüt „Roman von einem Kinde“. Barbara Honigmann gilt als Dichterin des Autobiografischen und bekennt sich dazu: „Schreiben heißt ja wiederfinden. Die verlorene Zeit zum Beispiel oder sich selbst“.

Den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2020 erhält Tonio Schachinger für seinen im Kremayr & Scheriau Verlag erschienenen Roman „Nicht wie ihr“. Der Förderpreis in Höhe von 6.000 Euro wird seit 2005 von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen finanziert.

Tonio Schachinger © Detailsinn

Tonio Schachinger © Detailsinn

Die Jury begründet die Vergabe:
„Der Roman „Nicht wie ihr“ ist  viel mehr als ein milieugetreues Fußballbuch: Mit seinem Helden Ivo Trifunovic zeichnet der Autor das Bild eines Profikickers aus Wien, der mit Witz und kontrollierter Wut auf Zumutungen des Business, ethnische Vorurteile und eine vorgestanzte Sprache reagiert, ein Macho, haarsträubend und beinahe liebenswert.“

Tonio Schachinger wurde 1992 in New Delhi geboren. Er wuchs in Nicaragua und Wien auf. Schachinger studierte Germanistik und Sprachkunst in Wien. „Nicht wie ihr“ ist sein Romandebüt.

Die Jury zum Bremer Literaturpreis 2020 tagte unter dem Vorsitz von Dr. Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) mit den Mitgliedern:
Richard Kämmerlings (Die Welt), Barbara Lison (Stiftung Bremer Literaturpreis), Dr. Wiebke Porombka (Deutschlandradio Kultur), Michael Sieber (Stiftung Bremer Literaturpreis) Dr. Daniela Strigl (Österreich), Dr. Stefan Zweifel (Schweiz).

Preisverleihung:
Die Preise werden am 20. Januar 2020 um 12.00 Uhr im Bremer Rathaus verliehen. Am Vorabend der Preisverleihung findet eine moderierte Lesung der beiden Preisträger um 18.00 Uhr in der Glocke  statt.

Im Umfeld der Preisverleihung findet die 44. Literarische Woche Bremen statt. In diesem Jahr mit dem Thema „Liebe in unübersichtlichen Zeiten. Lebens- und Liebesstile im Sog der Veränderung“.

 

Lesung des Preisträgers des Bremer Literaturpreises 2019 Arno Geiger in der Vertretung der Freien Hansestadt Bremen bei der EU in Brüssel

Nach der Lesung in Brüssel: Der Preisträger Arno Geiger (3.v.l.), Staatsrätin für Wirtschaft, Arbeit und Europa Susanne Ahlers (4.v.l.), Barbara Lison (Geschäftsführerin der Rudolf-Alexander-Schröder Stiftung; 5.v.l.) und Andreas Platthaus, der das Gespräch mit Arno Geiger führte (6.v.l.)

Nach der Lesung in Brüssel: Der Preisträger Arno Geiger (3.v.l.), Staatsrätin für Wirtschaft, Arbeit und Europa Susanne Ahlers (4.v.l.), Barbara Lison (Geschäftsführerin der Rudolf-Alexander-Schröder Stiftung; 5.v.l.) und Andreas Platthaus, der das Gespräch mit Arno Geiger führte (6.v.l.)

Brüssel, 13. November 2019

Am 13. November 2019 las der österreichische Autor Arno Geiger – der Bremer Literaturpreisträger 2019 – in der Vertretung der Freien Hansestadt Bremen bei der EU in Brüssel aus seinem prämierten Roman „Unter der Drachenwand“. Die zahlreichen Gäste, die Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und das Goethe-Institut Brüssel freuten sich über einen sehr gelungenen Abend.